Seit 2014 steht Johann Ulrich Grädel aus Huttwil für die EDU im Berner Grossen Rat und kämpft dort für klare Werte, Eigenverantwortung und konkrete Lösungen, die den Alltag der Menschen verbessern. Die EDU versteht sich als das Zünglein an der Waage, das wichtige Entscheidungen mitgestaltet und Verantwortung übernimmt. Familie, Berufsbildung, sichere Energieversorgung und eine starke Landwirtschaft stehen dabei im Zentrum. Am 29. März zählt jede Stimme – nur so kann die EDU ihre Arbeit fortsetzen und zusätzliche Sitze gewinnen.

Herr Grädel, Sie sitzen seit dem 1. Juni 2014 für die EDU im Berner Grossen Rat. Welche Erfahrungen haben Sie bisher im Kantonsparlament gemacht?
Es ist wichtig, dass die EDU im Grossen Rat in Bern vertreten ist und wir aktiv mitbestimmen können. Unsere Partei ist dabei oft das sprichwörtliche Zünglein an der Waage. Während andere lange reden und wenig sagen, bringen wir es auf den Punkt und übernehmen Verantwortung.
Sie sind seit vielen Jahren politisch aktiv. Was hat Sie ursprünglich dazu bewogen, in die Politik zu gehen, und was fasziniert Sie bis heute daran?
Wer nicht mitgestaltet, wird gestaltet. Ich will Verantwortung übernehmen – für weniger staatliche Bevormundung, weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung. Dafür stehe ich ein.
Die EDU-Fraktion zählt derzeit sieben Mitglieder im Berner Grossen Rat, und alle kandidieren erneut. Wie würden Sie die EDU als Partei charakterisieren?
Wir wollen das Beste für die Bürgerinnen und Bürger, für unsere Gemeinden, unseren Kanton und für die Schweiz. Wir bekennen uns zu einer freiheitlichen, demokratischen, rechtsstaatlichen und unabhängigen Schweiz, die auf christlichen Werten gründet.
Die EDU verpflichtet sich zu einer Politik auf christlichen Werten. Wie «christlich» ist die Berner Kantonspolitik heute, und wie bringen Sie Ihre christlichen Werte mit der politischen Arbeit in Einklang?
Unser Kanton ist politisch stark säkular geprägt. Für die EDU bedeutet «christlich» jedoch nicht, anderen etwas aufzuzwingen, sondern Werte glaubwürdig und konsequent zu leben: Wahrhaftigkeit, Verlässlichkeit und Respekt, der Schutz des Lebens, die Stärkung von Ehe und Familie sowie Verantwortung gegenüber der Schöpfung und den Schwächeren – ohne dabei Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung auszublenden.
Wo setzt die EDU im Berner Kantonsparlament ihre politischen Schwerpunkte?
In den Finanzen setzen wir auf solide Haushaltsführung, einen gezielten Mitteleinsatz und eine nachhaltige Entlastung der Bürgerinnen und Bürger durch tiefere Steuern. Bei der Energie geht es uns darum, Versorgungssicherheit zu gewährleisten, eine realistische und bezahlbare Energiewende umzusetzen und die Wasserkraft gezielt zu stärken. Die Familie als tragende Säule unserer Gesellschaft soll gestärkt werden, Jugendschutz ernst genommen und wirksame Prävention gefördert werden. Für die Landwirtschaft fordern wir faire und verlässliche Rahmenbedingungen sowie die Förderung der inländischen Produktion und Versorgungssicherheit. In der Raumplanung legen wir Wert auf einen sorgfältigen Umgang mit unserem Boden, den Schutz wertvoller Kulturlandschaften und den Respekt vor privatem Eigentum.
Der Kanton Bern gilt steuerlich als wenig wettbewerbsfähig. Die EDU setzt sich für Entlastungen ein: Welche konkreten Ideen und Vorschläge verfolgt Ihre Partei?
Bei Steuern und Ausgaben setzen wir auf die Senkung der kantonalen Steueranlage, gekoppelt mit einem konsequenten Stopp von «Nice-to-have»-Projekten. Priorität sollen die Kernaufgaben haben, nicht Wunschprogramme. Gleichzeitig wollen wir Familien gezielt stärken und steuerlich entlasten, bestehende Heirats- und Familiennachteile konsequent abbauen. Auch unsere KMU sollen entlastet werden: Gebühren und Formulare werden abgebaut, Verfahren vereinfacht und beschleunigt, damit Unternehmertum nicht durch Bürokratie ausgebremst wird.

Ein zentrales Anliegen der EDU ist der Ausbau der Wasserkraft. Können Sie erläutern, was die EDU hier konkret fordert?
Wasserkraft ist einheimisch, planbar und wintertauglich und bildet das Rückgrat einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. Wir setzen uns dafür ein, bestehenden Anlagen Vorrang bei Erneuerung und Leistungssteigerung zu geben, Bewilligungsverfahren zu beschleunigen und verlässlich zu gestalten sowie klare gesetzliche Rahmenbedingungen mit hoher Planungssicherheit zu schaffen. Die aktuellen Debatten rund um Kompromisse und Projektlisten zeigen deutlich: Es braucht Transparenz, faire Interessenabwägungen und eine frühzeitige Einbindung der betroffenen Regionen. Ohne Akzeptanz vor Ort lassen sich wichtige Energieprojekte nicht nachhaltig umsetzen.
Welche Ziele verfolgt die EDU in der Raumplanungspolitik des Kantons Bern?
In der Raumplanung und beim Schutz des Kulturlandes setzen wir auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen. Landwirtschaftsflächen sind strategisch wertvoll, daher ist ein sparsamer und haushälterischer Umgang mit Boden zentral. Innenentwicklung soll mit Vernunft erfolgen: Verdichten ja, aber nicht um jeden Preis, damit Lebensqualität, Grünräume und Verkehrsbelastung erhalten bleiben. Gleichzeitig wollen wir die Regionen stärken und Arbeitsplätze sowie die Grundversorgung auch ausserhalb der Zentren sichern, damit unsere ländlichen Räume lebendig und attraktiv bleiben.
Die EDU setzt sich für faire Rahmenbedingungen für Bauernfamilien und eine starke inländische Produktion ein. Was sehen Sie als die grössten Herausforderungen an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Umweltschutz im Kanton Bern?
Die Balance zwischen Biodiversität- und Gewässerschutz einerseits und Produktionsdruck andererseits wird immer schwieriger: Erträge, Preise und Auflagen steigen stetig. Gleichzeitig werden Nahrungsmittel – im Verhältnis zum Lohn – immer günstiger. Diese Entwicklung ist nur möglich durch Billigimporte, die oft unter fragwürdigen oder unwürdigen Produktionsbedingungen hergestellt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass Schweizer Landwirtschaft fair unterstützt, regionale Produktion gestärkt und nachhaltige Standards erhalten bleiben.
Wie definieren Sie eine massvolle Zuwanderung aus Sicht der EDU?
Wir verstehen unter massvoller Zuwanderung, dass sie sich an der Integrations- und Aufnahmekapazität orientieren muss – dazu gehören Wohnungen, Infrastruktur, Schulen, Gesundheitswesen und der Arbeitsmarkt. Ebenso gehört dazu, Integration konsequent einzufordern: Sprache lernen, Arbeit aufnehmen und den Rechtsstaat sowie unsere Grundordnung respektieren. Missbrauch muss konsequent bekämpft werden, insbesondere bei Sozialleistungen und Asylverfahren.
Ein weiteres Thema der EDU ist die Regulierung. Wo sehen Sie heute Überregulierung, und in welchen Bereichen besteht aus Ihrer Sicht noch dringender Handlungsbedarf?
Es besteht Handlungsbedarf in mehreren Bereichen. In der Bau- und Raumplanung bremsen lange Verfahren und zu viele Detailvorschriften Projekte unnötig aus. Auch die Landwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen: Kontrollen und Auflagen ohne Praxisbezug erschweren die Arbeit der Bauern. Im Bereich Energie und Heizen treiben zu viele kantonale Sonderwege die Kosten in die Höhe. Gleichzeitig hemmt die hohe administrative Belastung unsere KMU sowie den Detailhandel in ihrem Unternehmertum und Wachstum. Im Bereich Sicherheit und Ordnung fehlt es an konsequentem Vorgehen bei Gewalt und Drogen, während Jugendkriminalität die Sicherheit der Bevölkerung gefährdet.
Die Berufsbildung ist ein zentrales Anliegen der EDU. Welche Bedeutung hat sie für eine sichere und stabile Schweiz, und wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Unser duales Berufsbildungssystem gehört zum Erfolgsmodell der Schweiz und ist ein zentraler Stabilitätsanker der Schweiz. Unsere Berufsbildung sorgt für qualifizierte Fachkräfte, erleichtert die Integration in den Arbeitsmarkt, bietet soziale Aufstiegschancen und stärkt unseren Werkplatz. Deshalb setzen wir uns für genügend Lehrstellen ein, um unsere KMU zu stärken. Ebenso wichtig ist die Berufsattraktivität: Handwerk und Technik müssen anerkannt und gefördert werden, statt junge Menschen einseitig unter Druck zur Akademisierung zu setzen.
Welche Erwartungen und Wünsche hat die EDU für die Berner Grossratswahlen am 29. März – und mit wie vielen Sitzen rechnen Sie?
Unser Ziel ist es, die bisherigen sieben Sitze sicher zu halten und – bei gutem Verlauf in den Wahlkreisen – bis zu drei weiteren Sitzen zu gewinnen. So können wir unsere Arbeit mit klaren Werten und pragmatischen Lösungen fortsetzen. Entscheidend sind am Ende oft nur wenige Stimmen pro Wahlkreis – deshalb zählt wirklich jede Stimme.
Interview: Corinne Remund
Grossratswahlen 2026
EDU nominiert 148 Kandidierende
Am 29. März wählt die bernische Stimmbevölkerung das Parlament für die nächsten vier Jahre. Von den 160 Mitgliedern des Grossen Rates treten 148 wieder an, darunter auch alle sieben bisherigen EDU-Mitglieder. Die EDU schickt insgesamt 44 Kandidatinnen und 104 Kandidaten ins Rennen um einen Grossratssitz. Gesamthaft sind es 2261 Bernerinnen und Berner, die sich einen Sitz im Grossen Rat ergattern möchten.



